Home > Wir über uns > Geschichte > Geschichte Dickenreishausens

Die Zeit der Römer und Kelten

tempx_gruppeUnsere Geschichte beginnt in der Zeit, als die römischen Heerführer Drusus und Tiberius im Jahre 16 v. Chr. begannen, die Herrschaft ihres Reiches auf die Gebiete jenseits, d.h. nördlich der Alpen auszudehnen. Gallien und Helvetien hatten sie sich bereits mit Waffengewalt einverleibt.

 

 

 

a_arminiusWährend die Römer im Norden unseres Landes so ihre Schwierigkeiten hatten – bereits 9 v. Chr. hatte Varus im Teutoburger Wald eine bittere Niederlage hinnehmen müssen („Varusschlacht") – stießen die Eroberer im Süden auf deutlich weniger Widerstand. Die in der Nähe des Bodensees ansässigen Vindelizier hatten in den Jahren 15 – 6 v. Chr. keine Chance gegen den übermächtigen Gegner. Der keltische Volksstamm war zu damaligen Zeit mehr mit Ackerbau und Viehzucht und kleinen Streitereien in der „Nachbarschaft" befasst, als mit einem derartigen Überfall zu rechnen. Dennoch hatten die Bewohner zum Schutz Erdwälle und Bergfesten errichtet, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen konnten. Spuren dieser „Fliehburgen" finden sich noch heute in unserer Gegend.

Das „Jungvolk" der Besiegten wurde von den Römern kurzerhand des Landes verwiesen und nach Westen in abgelegene Gebiete Galliens verbannt. Dafür wurden römische Kolonialherren in der Region angesiedelt. Die Römer begannen damals ihre eroberten Gebiete durch Festungen und Mauern zu sichern und errichteten „moderne" Straßen, von denen heute allerdings keine nennenswerten Funde mehr zu verzeichnen sind. Eine dieser Straßen muss wohl die Städte Kempten und Kellmünz miteinander verbunden haben. Im Wald oberhalb des Dickenreis befand sich vermutlich ein römischer Wachturm, dessen Grundriss sich dort heute noch erahnen lässt. Funde einiger Tonscherben und von Tuffgestein, das als Baumaterial verwendet wurde, können heute im Memminger Heimatmuseum im Herrmannsbau besichtigt werden.

 

nach oben

Die Alamannen und Sueben in unserer Heimat

Doch die Herrschaft der römischen Besatzungsmacht hielt nicht ewig an. Ab etwa 400 n.Chr. drangen deutsche Volksstämme immer weiter vor. Der Völkerbund der Alamannen (= alle Mannen zusammen) oder auch die Schwaben (Sueben = die Schweifenden?; svoboda = Freiheit; altnord. Svaf = Speer) wanderten immer weiter südwärts. Die Einwohner unserer Region – eine Mischung aus Kelten und Römern (Kelto-Romanen) - wurden dadurch immer mehr in die Täler der Gebirge zurückgedrängt. Die romanische Sprache hat sich dort zum Teil bis heute gehalten (z.B. Graubünden / Schweiz).

Mit den Römern verschwand auch das Christentum in unserer Gegend, und es siedelten sich auf Geheiß des ostgotischen Königs Theoderich schwäbische Alamannen hier an. Dies geschah um das Jahr 500 n.Chr.

Nach deren Angliederung an das fränkische Reich gelangte der christliche Glaube um das Jahr 700 durch Missionare aus dem Raum St. Gallen (Schweiz) wieder zu uns zurück.

Hildegard, Gemahlin des Kaisers Karl d. Großen, sorgte durch die Stiftung eines Klosters in Kempten und die Zuweisung von Getreide an die Kirchen für eine Festigung des christlichen Glaubens und dessen Lehre bei uns.

 

nach oben

Die Entstehungszeit von Dickenreishausen

Genau lässt es sich nicht mehr nachvollziehen, wann der Ort Dickenreishausen gegründet wurde. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass seine Anfänge in der Zeit von 1000 bis 1100 n.Chr. liegen. Die älteste Jahreszahl, die dokumentiert ist, lautet auf das Jahr 1126. Damals wurde in Württemberg das Kloster Roth (Mönchsroth) gegründet, zu dessen Gütern auch einige Höfe in Dickenreishausen gehörten. (Diese mussten aber im 15. Jahrhundert wegen Misswirtschaft eines Klosterabtes an Kempten verkauft werden.)

Der ursprüngliche Name des Ortes war zunächst "Husun" (= bei den Häusern) und wurde erst später "Dickenrishusen" bzw. "Dickerlishusen" genannt, was soviel bedeutet wie "die beim Dickenreis gelegenen (Bauern-) Häuser". Dieser Namenszusatz deutet darauf hin, dass wohl in der damaligen Zeit größere Waldflächen die Ortschaft umgaben (im dicken Reis / Wald).

1437 wurde in der näheren Umgebung auch das "Bad Dickenreis" eröffnet, was sicherlich auch Auswirkung auf die Namensgebung des Ortes hatte.

a_drh_ansichtDie eigentümliche Form des Ortes (es hat die Form eines Hufeisens) deutet darauf hin, dass zum einen immer wieder Waldflächen gerodet wurden, um Platz für neue Häuser zu erhalten. Zum anderen lässt sich vermuten, dass die Anlage des Dorfes von einer Hand geplant wurde. So befindet sich z.B. die Kirche an exponierter Stelle, da sich in der Niederung nördlich von ihr Sumpfland befunden haben muss.

Die Höfe in Dickenreishausen gehörten zunächst einem Herrn in Kronburg (später in Altmannshofen). Erst ab dem Jahr 1350 ging der Besitz an Memminger Bürgerfamilien und danach an das Unterhospital in Memmingen über.

 

nach oben

Von der Reformationszeit bis heute

Beginnend mit der Reformationszeit beherrschten Kriege, Krankheiten, Hunger und Elend die Region. Der Bauernkrieg Mitte des 16. Jahrhunderts kostete viele Menschen das Leben. Pfarrer, die nicht im Sinne der kirchlichen Vorgaben predigten, wurden gnadenlos verfolgt und zumindest aus ihrem Amt entlassen. Diebstahl und Brandschatzungen waren an der Tagesordnung.

Aus der Chronik von Dickenreishausen (1908):

"1614, 5. Nov., hat eines Bauern Weib, der Gaugger genannt, das Haus fürletzlicher Weis angezündet, daß alles verbrannt ist. Das Weib war nicht recht bei Sinnen.

1617, 11. Jan., verbrannte das Wirtshaus. Das Feuer war gelegt worden. Ein Missetäter, der wegen anderer Verbrechen geradbrecht und lebendig verbrannt wurde, hat sich auch zu dieser Tat bekannt."

Während des 30jährigen Krieges (1618-1648) lauerte der Tod in unterschiedlichesten Formen auf die Bevölkerung. Neben tödlichen Kriegsversehrungen wütete mehrmals die Pest in Dickenreishausen und raffte gut ein Viertel der Einwohner hin.

Darüber hinaus machten Soldaten, die sich vorübergehend einquartierten, den Bewohnern das Leben schwer.

Aus der Chronik von Dickenreishausen (1908):

"Im Mai 1631 lagen hier die Fürstenberger Völker [...]. Einer begehrte von seinem Bauern, [...] er solle ihm sein einjähriges Kind zu kaufen geben, er wolle es schlachten und aus dessen Fleisch Wurst hacken. Denn es sei kein besser Essen, wie er's schon oft versucht habe."

Auch sonst lebten die Menschen in diesen Tagen gefährlich. Viele wurden Opfer von Überfällen und Mordanschlägen.

Zu allem Übel kam noch, dass das Leben immer teurer wurde.

Die Schweden, ursprünglich gekommen, um den Memmingern zu helfen, brachten nach dem Tod ihres Anführers noch mehr Unheil und Zerstörung. Aus dieser Zeit stammt auch die sog. "Schwedenschanze" auf dem Dickenreiser Berg, deren Reste heute noch zu sehen sind.

Als 1648 der lang ersehnte Frieden eintrat fand man im Kirchengesangbuch den Text: "Gottlob, nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort, daß nunmehr ruhen sollen die Spieß' und Schwerter und ihr Mord."

 

nach oben

 

Was sich in der Schule tat:

Schule fand auch damals schon statt. Jedoch galten andere Bedingungen als heute.

"1753 wird verordnet, daß alle diejenigen Buben, welche das 24. Jahr nicht wirklich erreicht haben, ohne einige Ausnahme die Sonntagsschule fleißig besuchen sollen. Nicht weniger sollen die Eltern ihre Kinder, welche wirklich 6 Jahre alt sind, um so ehender in die Schule setzen, weilen man den Sommer durch gar keine Schule hält; hingegen sollen die Kinder vor dem 15. Jahr nicht zu dem Tisch des Herrn gelassen werden, weilen die wenigsten den rechten Verstand von diesem heiligen Werk vorher haben."

1769 wurde angeordnet, dass auch im Frühjahr und im Herbst täglich eineinhalb Stunden Schule abgehalten werden sollten.

1891 wurde auf Kosten der Gemeinde schließlich ein neues Schulhaus gebaut "mit einem auf 80 Kinder berechneten Schulzimmer" , das immerhin 24.000 Mk. kostete.

Kommentar aus der Chronik von 1908:

"Bei der stetig wachsenden Schülerzahl, die gegenwärtig in die 90 beträgt, dürfte wohl bald eine Teilung der Schule notwendig werden und eine zweite Lehrkraft anzustellen sein."

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schulhaus zeitweise für die Unterbringung von Soldaten zweckentfremdet. Im Anschluss daran wurden polnische Flüchtliche hier einquartiert, die Berichten zufolge wilde Gelage und ausschweifende Feste abgehalten haben sollen.

Bericht eines Augenzeugen:

"Dreimal wurde im Schulsaal der Oberklasse Hochzeit gefeiert, an der jedesmal ca. 120 Polen beteiligt waren. Die Tänze wurden mit fürchterlichem Getrampel aufgeführt."

Durch die Gebietsreform wurde die Zusammenlegung der Volksschule Dickenreishausen mit der Volksschule Volkratshofen ermöglicht (1969). Seit damals arbeiten die beiden Schulhäuser Hand in Hand. Wir halten es für wichtig, dass jeder dieser Orte seine Schule behalten darf.

Das Schulhaus in Dickenreishausen hat heute immerhin schon mehr als 110 Jahre "auf dem Buckel". Dennoch hat man nicht das Gefühl, dass sie mit den heutigen Anforderungen an eine moderne Schule nicht mithalten kann. Seit inzwischen gut fünf Jahren stehen den Kindern sogar Computerarbeitsplätze zur Verfügung.

 

nach oben